Home > News > Ostern in Tunesien, 02.04.2013

Bericht von Dietmar Bell zur Überführung von Krankenwagen an den Verein Tabarka e.V.:

Mit drei weiteren Mitgliedern des Vereins Tabarka e.V. bin ich in der letzten Woche Mittwoch gestartet, um 2 Krankenwagen nach Tabarka in Nordtunesien zu überführen. Alles war gut vorbereitet. Die Fahrzeuge, Spenden der Firma ACCON und der Firma Kießling, waren einer Generalinspektion unterzogen worden und Hotels, Fähre und Rückflug gebucht. Da die Spenden direkt dem Krankenhaus in Tabarka gespendet werden sollten, war auch das tunesische Gesundheitsministerium frühzeitig mit allen notwendigen Unterlagen versorgt worden, da von dort eine entsprechende Genehmigung notwendig für die Annahme der Spenden notwendig ist.

13 Stunden nach Beginn der Fahrt wurde das erste Reiseziel erreicht: Marseille. Die Fahrt war wunderbar – eine Fahrt in den beginnenden Frühling Südfrankreichs. Waren es morgens in der Hocheifel noch -7 Grad gewesen, begrüßte ein bewölktes Marseille mit 20 Grad.

Am Donnerstagmorgen dann auf die Fähre nach Tunis: Reibungslos und am nächsten Morgen begrüßte uns dann die afrikanische Sonne kurz vor der tunesischen Küste. Allerdings wussten wir bereits durch Telefonate und Mails, dass die Abfertigung im tunesischen Zoll wohl keine reine Formalität werden würde.

Wir hatten bereits mitgeteilt bekommen, dass die Fahrzeuge in keinem Fall in unserem Zeitlimit nach Tabarka überführt werden könnten – die notwendigen Papiere des Gesundheitsministeriums lagen angeblich nicht vor. Insoweit waren wir auf die Situation im Hafen von Tunis mehr als gespannt. Vor Ort empfing uns dann eine Mitarbeiterin des Ministeriums, die allerdings an der Situation zunächst auch nichts ändern konnte.

Die Wagen wurden eingelagert und wir fuhren in das Ministerium. Zwischenzeitig hatten wir auch unsere Ansprechpartnerin aus dem Krankenhaus in Tabarka, Frau Dr. Abidli getroffen, die bereits seit 3 Tagen vor Ort in Tunis war und versuchte die notwendigen Papiere zu erhalten. Sie war zutiefst misstrauisch gegenüber den Behörden in Tunis, da nicht auszuschließen war, dass die Fahrzeuge in andere Regionen verschoben würden. Nachdem wir längere Zeit ergebnislos auf Gesprächspartner warteten, sind wir dann in das Büro des Kabinettchefs vorgedrungen – hilfreich da immer der Verweis auf meinen Abgeordnetenstatus. Er hat uns dann Unterstützung zugesichert und von den notwendigen 4 Unterschriften haben wir dann auch die ersten erhalten.

Wir haben dann in Tunis ohne unser Gepäck übernachtet, da wir am Abend nicht mehr zu den Autos vorgelassen wurden und am nächsten Morgen dann zunächst unser Gepäck gesichert. Im Hafen erhielten wir dann die Bitte von Dr. Abidli in das Hauptzollamt zu kommen, da es dort wieder mit der notwendigen Unterschrift hakte. Nach 2 Stunden mit emotionalen Auseinandersetzungen auch dort: Vollzug. Damit waren die wichtigsten bürokratischen und eigentumsrechtlichen Fragen zugunsten des Krankenhauses in Tabarka geklärt.

Leider konnten wir dann aber die Autos nicht überführen, weil die zolltechnische Endabfertigung erst zu Beginn dieser Woche erfolgen konnte. Trotzdem haben wir dann die Schlüsselübergabe vorgenommen, weil wir sicher waren, dass die Fahrzeuge jetzt auch ihrer Bestimmung zugeführt werden. Besonders schade: In Tabarka war ein großer Empfang vorbereitet worden und unsere Freunde warteten den halben Tag, ob es doch noch gelingt, die Fahrzeuge unmittelbar zu überführen.

Stattdessen haben wir dann noch in einem Restaurant in Tunis mit dem Regionalbeauftragten für das Gesundheitswesen in der Region Jendouba und Frau Dr. Abidli gegessen – zu meiner Überraschung habe ich dann sogar eine kleine Geburtstagstorte bekommen. Das hat dann doch ein wenig versöhnt.

Wir sind dann auch die letzte Nacht in Tunis geblieben und Sonntagmittag zurück in das kalte Ostern nach Deutschland geflogen. Was bleibt: Die tunesische Bürokratie wird sich verändern müssen, wenn humanitäre Hilfe auch auf Dauer erfolgen soll. Aber ich bin sicher, dass sich unser Einsatz gelohnt hat und wir in den nächsten Wochen Bilder der beiden Wagen in Tabarka präsentieren können.